Erfahrung, Erinnerung, Erkenntnis. Untersuchungen zum by Dieter Teichert

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By Dieter Teichert

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Mit einer solchen Überbewertung der Künste droht deren Verbindung zu anderen Lebensbereichen abgeschnitten zu werden56 , teilweise wird sogar die Forderung erhoben, das Leben solle zur Kunst werden. Die Aporien dieser Tendenz hat die Literatur selbst offengelegt und den weltfremden Ästheten den Prozeß gemacht. 57 Der Ästhetizismus vertritt, oft im Bewußtsein der eigenen Machtlosigkeit hinsichtlich der sozialen und politischen Verhältnisse, einen elitären Anspruch, der das Heiligtum der Kunst vor der Profanation durch die modeme Massengesellschaft schützen wilp8 Gegenüber einem solchen Extremismus und falsch verstandener Autonomie kann man darauf verweisen, daß die Eigenart zahlreicher Werke der Modeme, deren Autoren mitunter selbst einen starken Autonomieanspruch vertraten, nicht darin besteht, Evasionsräume für verträumte Ästheten zu kreieren und jegliche Verbindung zur sozialen Wirk1ichkeit zu negieren, sondern gerade dank der künstlerischen Unabhängigkeit neue Sichtweisen aufzuzeigen, um sich auch subversiv auf geltende Ansichten und Normen beziehen zu können.

Gadamer möchte die Grenzen der Erlebnisästhetik aufzeigen. Im Grunde genügt es, ein einziges Beispiel anzuführen, das nicht als Ausdruck von Erlebnissen des Künstlers verstanden werden kann, um die Begrenztheit dieses Ansatzes zu belegen. Aber Gadamer schlägt einen anderen Weg ein. W. Goethe in seinen Reflexionen formuliert hat, an die Erlebnisästhetik gekoppelt sei. 62 Gegen diese Allianz von Erlebnis und Symbol führt Gadamer die Allegorie ins Feld, deren Bedeutung rehabilitiert werden soll. Gadamer will also zeigen, daß die Allegorie nicht in den Bezugsrahmen der Erlebnisästhetik integriert werden kann und daß sie darüberhinaus eine wichtige Form künstlerischer Darstellung ist.

Das >Defizit< der Vernunftideen besteht darin, daß ihnen in der Erfahrung kein adäquater Gegenstand zugewiesen werden kann. Nun bedeutet dies nicht, daß Kant weder den ästhetischen Ideen noch den Vernunftideen erkenntnisvermittelnde Leistungen zugesprochen hätte. Die Ideen der Vernunft haben zwar keine direkte, konstitutive Funktion für unsere Erkenntnis im Bereich der Erfahrung, aber sie geben wesentliche Orientierungen. Aus diesem Grund bestimmt Kant ihre Leistungen als regulativ. 16 Kunst und Wahrheit Entscheidend ist nun die Frage, welche Bedeutung Kant den ästhetischen Ideen gibt und ob sein Vorschlag überzeugend ist.

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